Isrun Lorenz
 
 
Biografie

Theaterarbeit

15 Jahre Schultheater war eine unglaublich wichtige Phase meines Lebens. Es fing mit der Wahl eines Theaterstücks an und gipfelte in den Aufführungsabenden. Was in den Probenmonaten geschah, füllt ganze Schränke meiner Erinnerung.
Ich habe gelacht, gelitten, geschimpft, Streit geschlichtet, mir die Haare gerauft, Tränen getrocknet, die Geduld verloren und wiedergefunden. Daneben Kulissen gemalt, Kostüme beschafft und Requisiten geliehen, geschminkt, frisiert und die Truppe mit Tee und Keksen  versorgt. Dann endlich die Premiere mit den Patzern und Pannen und den wundervollen Momenten, wenn alles gelang.

Viele Gesichter und Namen, Schicksale. Freundschaft und Liebe entstand und zerbrach, spätere Ehepaare fanden sich. Schauspieler wurde fast keiner, doch im Beruf erwies sich die Theaterarbeit oft als nützlich: beim freien Sprechen und Improvisieren, oder wenn Teamgeist und Verantwortungsgefühl  gefragt waren. Denn alle zogen an einem Strang und brachten gemeinsam ein Stück auf die Bühne, trotz Selbstzweifeln, Ängsten und Lampenfieber.  Im vielstimmigen  Jubelschrei des Ensembles nach dem Schlussapplaus hinter dem Vorhang entlud sich die Spannung  – auch für die Regisseurin ein Augenblick vollkommenen Glücks.
Eigentlich wollte ich danach ein Theaterstück für junge Leute schreiben,  doch es  wurde meine erste Geschichte daraus. Weitere folgten, eine Erzählung, zwei Romane; nichts davon fand einen Verlag. Trotzdem schrieb ich weiter, bis es 2008 endlich klappte. Die Frage, warum ich nicht aufgegeben habe, kann ich nicht recht beantworten. Vielleicht  ist es die Erfahrung jahrelanger  Theaterarbeit,  etwas angefangen und durch alle Schwierigkeiten zu einem guten Ende gebracht zu haben. Und zwar immer wieder von Neuem.

Denn es war jedes Mal so: Bei Probenbeginn standen die Schauspieler mit dem Text in der Hand, ohne Gestaltungsideen, auf der leeren Bühne und dachten: Das schaffe ich nie. Und dann schafften sie es. Auch beim Schreiben eines Buchs beginnt man bei Null. Der Kopf ist voller Ideen, das Blatt ist leer, und bei der Aussicht, ein paar hundert Seiten füllen zu müssen, denkt man: Das schaffe ich nie. Und dann ...